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Greiffbar – Geldsegen oder Geldsorgen

21. August 2026
Volker Schilling
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von Volker Schilling

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

Geldregen

Im August 1967 regnete es an der Wall Street Geld. Kein Börsenboom, kein Konjunkturprogramm und keine Notenbank steckten dahinter, sondern der Aktivist Abbie Hoffman. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern warf er von der Besuchergalerie der New York Stock Exchange Dollarnoten aufs Parkett. Die Händler unterbrachen ihre Arbeit und bückten sich nach dem kostenlosen Geld. Free Money funktioniert eben immer. Genau 59 Jahre später hat sich nur die Größenordnung verändert. Die US-Staatsschulden haben diese Woche die 40.000.000.000.000 Dollar überschritten. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen schoss auf fast 5,34 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zeitweise mit mehr als 3,2 Prozent. Anleihen scheinen also wieder attraktiv. Leider vor allem für diejenigen, die sie nicht ausgeben müssen. Am Aktienmarkt hieß es entsprechend: Geldregen aus, Regenschirm auf. Der Halbleiterindex verlor gleich 5 Prozent. Denn je höher der Zins, desto weniger wert ist die weit entfernte Zukunft und gerade bei KI-Aktien wird bekanntlich ziemlich viel Zukunft gehandelt. Nach Jahren des Geldregens lässt der Bondmarkt alle nass aussehen. Doch:

Geldsegen

Am Mittwoch griff Washington deshalb zum Regenschirm. Das US-Finanzministerium verdoppelte überraschend seine Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen von zwei auf mindestens vier Milliarden Dollar. Gemessen am riesigen Treasury-Markt ist das Kleingeld. Die Wirkung war trotzdem groß: Die 30-jährige Rendite fiel erst einmal Richtung 5,2 Prozent. Keine neue Geldschwemme, Finanzminister Scott Bessent ist auch nicht heimlich Fed-Chef geworden. Bemerkenswert bleibt es trotzdem. Denn ausgerechnet am selben Tag veröffentlichte die Fed ihr Protokoll der letzten Sitzung: Drei Mitglieder wollten bereits im Juli die Zinsen erhöhen, mehrere könnten sich eine Straffung vorstellen. Die Fed tritt also auf die Bremse, während das Finanzministerium gleichzeitig ein bisschen am Gaspedal spielt. Finanzpolitisch nennt man das vermutlich Arbeitsteilung. Den größten Geldsegen bekamen Goldanleger. Sinkende Renditen und ein schwächerer Dollar katapultierten Gold um mehr als vier Prozent über 4.500 Dollar je Unze. Letzte Woche schrieb ich hier noch über Nixon und das Ende der Goldbindung. Diese Woche hilft Washington dem Goldpreis selbst über die nächste Marke. Geldsegen gab es auch in China. Unitree, Hersteller jener humanoiden Roboter, die ich bereits letzte Woche verlinkt hatte, sprang beim Börsendebüt um 629 Prozent. Die Privatanleger-Tranche war mehr als 8.000-fach überzeichnet. Rund 218 Millionen Euro Umsatz treffen nun auf etwa 57 Milliarden Euro Börsenwert. Die Roboter können Saltos. Den spektakulärsten Sprung machte aber die Aktie. Investoren der ersten Stunde haben daher keine Geldsorgen mehr. Apropos:

Geldsorgen

Der Geldsegen hielt nicht lange, denn das eigentliche Problem dieser Woche schwimmt im Persischen Golf. Brent stieg wieder über 90 Dollar, die Spannungen mit Iran nehmen zu und der Verkehr durch die Straße von Hormus liegt brach. Gerade als die US-Inflation etwas nachlässt, der Erzeugerpreisdruck sinkt und schwächere Einzelhandelsumsätze gegen eine schnelle Zinserhöhung sprechen, springt der Ölpreis wieder an. Selbst Deutschland bekommt seine ganz eigene Version davon. Niedrige Rheinpegel erschweren den Transport von Kraftstoffen, Benzin verteuerte sich binnen einer Woche um 3,7 Cent und Diesel um 5,3 Cent. Wenn der Flusspegel fällt, steigt die Tankrechnung. Wirtschaftliche Hydraulik kann so einfach sein. Genau deshalb schaue ich diese Woche weniger auf Aktien als auf Anleihen. Denn normalerweise sollten schwächere Konjunkturdaten die langfristigen Renditen drücken. Diesmal taten sie es zunächst nicht. Und wer dem amerikanischen Staat für 30 Jahre Geld leiht, möchte für die Aussicht inzwischen ordentlich bezahlt werden. Doch lohnt sich das für Investoren? Ich meine nicht und habe im Finance Fight Club darüber heftig gestritten: Aktien oder Anleihen? 1967 regnete es an der Wall Street Geld. Heute regnet es Schuldscheine. Nur bücken will sich danach keiner mehr.

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Kommentare

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  • Peter Czeck sagt:

    „verdoppelte überraschen seine Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen“…M.E. eine gute Nachricht f. Aktien. Ein erfreulich faktenorientierter Kommentar, der hoffentlich zu einer entsprechend sachlichen Diskussionskultur
    im Forum beiträgt.

  • Andreas B sagt:

    „Den größten Geldsegen bekamen Goldanleger.“

    Stimmt nicht, Bitcoin hatte diese Woche das klar bessere Comeback. Ob schon nachhaltig, mal abwarten, aber Strategy, Metaplanet, Bitmine oder Gold- und Silberminen legten auch ordentlich zu.

    Bin auf die Entwicklung dieser Werte bis Jahresende zumindest echt gespannt.

    • Peter Czeck sagt:

      Hallo Andreas, du bist doch Experte f. Nebenwerte. Was hältst du von Hamborner reith?

      • Andreas B sagt:

        Danke für die Blumen Peter, aber Experte bin ich ganz gewiss nicht. Habe nur auch Nebenwerte im Depot.

        Hamborner Reith noch nie gehört vorher und auf Immobilien und Gewerbeimmobilien setzte ich i.d.R. überhaupt nicht. Mir zu schwerfällig, teilweise langweilig und nicht wirklich greifbar.

        Wie kommst du selbst auf den Wert bzw. warum hast du ihn auf der Watchlist?

        • Peter Czeck sagt:

          Hohe Dividendenrendite. Leerstandquote unterdurchschnittlich. Günstig bewertet. Kursziele Analysten deutlich höher. Sachwert. Risiko Zinsentwicklung, Laufzeit der Kredite. Mieterwechsel

  • Peter Czeck sagt:

    „Geldsorgen“ Trump ist nicht nur der größte Präsident/Anführer aller Zeiten, er ist auch eine kabarettistische Hochbegabung. Meldung bei ntv: „Trump droht Anleihemarkt mit Militär“ 😎🥹

    • Sandro sagt:

      Bei der sog. „Geld-Bazooka“, von der Notenbanker in Krisensituationen Gebrauch machen, handelt es sich offensichtlich nicht nur um ein geflügeltes Wort. Es muss sie tatsächlich geben. Das amerikanische Militär hat wohl große Bestände davon. 🤓

  • Michael sagt:

    @Willi & G.Braig: ich verstehe euren Frust, dass hier zu wenig über Aktien gesprochen wird, bzw andere Themen überdimensioniert werden.

    Es gibt mehrere Möglichkeiten:

    1) ihr lest nur die Beiträge eurer Lieblingsautoren durch, bzw von Autoren deren Meinung ihr sehr schätzt – bspw Raimund, Volker oder mich

    2) ihr ignoriert einfach die Beiträge bestimmter Foristen

    3) ihr fragt die KI. Bei der Nutzung der KI ist es entscheidend präzise zu prompten – wie im richtigen Leben bei der Kommunikation mit Menschen. Dann bekommt ihr auch eine gute Antwort

  • Michael sagt:

    @Willi und G.Braig:

    Beispiel Unterhaltung mit Google KI:

    „fasse mir die Beiträge von Raimund auf dem wahrewerteblog der letzten vier Wochen zusammen“

    Antwort von und Folgefrage an Google KI:

    „Raimund Brichta hat auf dem Wahre Werte Blog in den letzten vier Wochen einen eigenen Beitrag veröffentlicht und sich an Diskussionen in den Kommentaren beteiligt.

    Eigener Blogbeitrag
    Watch this: Goldenes Kreuz bei Visa! (6. August 2026): Ein kurzer, prägnanter Beitrag von Raimund Brichta zum Chartbild der Visa-Aktie. Er weist auf ein sogenanntes „goldenes Kreuz“ (Golden Cross) hin – ein technisches Signal, bei dem der kurzfristige gleitende Durchschnitt die langfristige Linie nach oben durchbricht, was oft als starkes Kaufsignal gewertet wird.

    Wichtigste Kommentare und Diskussionsbeiträge
    Aktie von Rollins (3. August 2026): Er tauschte sich mit Nutzern über die Aktie des Schädlingsbekämpfers Rollins aus und betonte, man müsse den wesentlichen langfristigen Trend im Auge behalten.

    Zinsentspannung der Fed (31. Juli 2026): Er widersprach der Annahme eines Nutzers, dass die US-Notenbank Fed im September die Zinsen anheben wolle, und stellte klar, dass er nicht damit rechnet.

    Möchtest du Details zu einer bestimmten Aktie aus dem Wahre-Werte-Depot wissen?Soll ich die älteren Beiträge von Volker Schilling aus den letzten Wochen ebenfalls zusammenfassen?“

    Ich an Google KI: „Ja“

    Antwort Google KI:

    „Hier sind die Zusammenfassungen der wöchentlichen Kolumnen von Volker Schilling (Format „Greiffbar“) sowie aktuelle Einblicke zum Wahre-Werte-Depot (WWD) aus den vergangenen vier Wochen:

    …“

    Nur ein Beispiel, wie ihr zielgerichtet zu allen Themen schnelle Zusammenfassungen bekommt.

    Prompten.

  • Michael sagt:

    @Willi & G.Braig:

    Anbei ein weiteres Beispiel mit Google KI

    „fasse die Beiträge von Michael auf dem wahrewerteblog aus den letzten vier Wochen zusammen“

    Google KI:

    „Michael hat in den letzten vier Wochen keine eigenen Blogbeiträge auf dem Wahre Werte Blog verfasst, sich aber aktiv als Community-Mitglied in den Kommentaren zu aktuellen Finanz- und Wirtschaftsthemen geäußert (…)“

    Präziseres Prompten, um zielgerichtet die gewünschten Informationen zu bekommen:

    „fasse seine Beiträge rund um Aktien zusammen“

    Antwort Google KI: „(…)“

    Prompt: „fasse seine Beiträge aus dem Jahr 2026 ausschließlich zu Aktien zusammen“

    Antwort Google KI:

    „Wenn wir das gesamte Jahr 2026 betrachten und uns ausschließlich auf Michaels Kommentare zu konkreten Aktien und dem Aktienmarkt konzentrieren, ergibt sich folgendes Gesamtbild seiner Diskussionsbeiträge auf dem Wahre Werte Blog:

    Software- & Tech-Aktien (April 2026)
    Bereinigung im Software-Sektor (11. April 2026): Michael widersprach der Ansicht, dass im Software-Sektor aktuell ein massiver Ausverkauf stattfinde. Er stellte klar, dass die stärkste Korrekturphase bereits abgeschlossen sei („Der Ausverkauf HAT stattgefunden“). Er stufte die Kursrückgänge als rein gesunde Bereinigung einer zuvor surrealen Überbewertung ein und hob Microsoft als Paradebeispiel für einen hochqualitativen „Must-Have“-Titel hervor, dessen langfristiger Wert unberührt bleibe.

    SAP & der deutsche Markt (Juli 2026)
    Lob für SAP und globale Ausrichtung (27. Juli 2026):Er begrüßte die Aufnahme der SAP-Aktie in das Wahre-Werte-Depot nach den starken Quartalszahlen.In diesem Zuge stellte er eine Kernthese auf: Der Erfolg großer DAX-Konzerne wie SAP ist vom schwächelnden Heimatstandort Deutschland entkoppelt, da diese Unternehmen ihr Geld global und zunehmend außerhalb Europas verdienen.

    Visa & Amazon (August 2026)Visa-Aktie (7. August 2026):
    Michael gab einen Einblick in sein eigenes Handeln (…)“

    Prompt: „wann hat Michael VISA gekauft“

    Antwort Google KI: „Michael hat laut einem Kommentar vom 18. April 2026 auf dem Blog die Visa-Aktie im Jahr 2026 gekauft.In diesem Beitrag erwähnte er, dass er im laufenden Jahr bis zu diesem Zeitpunkt lediglich Aktien von Visa, McDonald’s, UnitedHealth und Procter & Gamble erworben hatte.“

  • Michael sagt:

    @Willi & G. Braig – last but not least ein finales Beispiel meiner Unterhaltung mit Google KI

    Prompt: „wer hat in den letzten vier Wochen mehr Beiträge über Aktien auf dem wahrewerteblog verfasst: Sandro oder Michael?“

    Google KI: „Michael hat in den letzten vier Wochen deutlich mehr Beiträge über Aktien verfasst als Sandro. Während Sandro sich in den Kommentaren vor allem auf allgemeine Wirtschaftsthemen und die Fabriken von BASF konzentrierte, ging Michael ganz gezielt auf einzelne Aktien ein.
    Der direkte Vergleich (letzte 4 Wochen):
    – Michael (4 Beiträge zu Aktien): (…)
    – Sandro (0 Beiträge direkt zu Aktien):Er erwähnte zwar das Unternehmen BASF, sprach dabei aber rein über die Wirtschaftspolitik und den Bau des neuen Werks in China, nicht über die Aktie oder den Kurs selbst.“

    Prompt: „und insgesamt im Jahr 2026?“

    Google KI: „Michael hat auch insgesamt im Jahr 2026 deutlich mehr Beiträge und Kommentare zu Aktien verfasst als Sandro. Während Sandro das ganze Jahr über vor allem volkswirtschaftliche Debatten, die Energiepolitik und den Standort Deutschland kommentierte, teilt Michael regelmäßig konkrete Einschätzungen zu Unternehmen, Käufen und Aktienkursen.

    Die Jahresbilanz 2026 im Vergleich

    Michael (Vielzahl an Aktien-Beiträgen):
    Umfangreiches Depot-Wissen: Er diskutierte im April detailliert über die Bereinigung im Software-Sektor und stufte Microsoft als Top-Aktie ein.
    Konkrete Käufe & Verkäufe: Er gab Einblicke in seine Käufe von Visa, McDonald’s, Procter & Gamble und UnitedHealth sowie seinen Visa-Verkauf bei 200 Euro.
    Strategische Analysen: (…)

    Sandro (Kaum direkter Aktien-Bezug):
    Er konzentriert sich in der Community fast ausschließlich auf politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. (…)“

    Prompt: „suche genauer nach Beiträgen von Sandro zu Aktien auf dem wahrewerteblog in 2026“

    Antwort KI: „Korrektur: Bei einer noch gründlicheren Suche im Wahre Werte Blog hat sich herausgestellt, dass Sandro im Jahr 2026 doch konkrete Aktien analysiert und Chartfragen gestellt hat – insbesondere im Juli 2026. Er konzentrierte sich dabei auf defensive Qualitätswerte abseits des KI-Hypes.Hier sind seine gezielten Beiträge und Chart-Analysen zu Aktien aus dem Jahr 2026: (…)“

    Unterhaltet Euch mit der KI, hinterfragt und beobachtet sie.

    Zunächst gibt die KI eine Antwort (basierend auf ihrer ersten Suche). Auf Nachfrage sucht die KI weiter und kommt zu präzisieren Ergebnissen.

    Das habe ich euch hier exemplarisch aufgezeigt, auch zur Ehrenrettung Sandros.

    Was wirklich pervers ist, ist der schnelle Fortschritt der KI.

    Nicht umsonst werden hier Billionenbeträge in die Infrastruktur investiert. Die Dimension des technischen Fortschrittes und seine Auswirkungen ist den wenigsten bewusst.

    • Peter Czeck sagt:

      Je nach Fragestellung Nachfragen und Verwendung einzelner Begriffe kann man die KI in die vom Fragesteller gewünschte Richtung drängen. Wir sollten dieser Versuchung gemeinsam widerstehen. Mir fallen i.d.Z. einige Fragen zu Michaels gebetsmuehlenartigen Formulierungen ein. Habe es mal getestet. Verzichte im Interesse des Forenfortbestands darauf die Antworten der KI hier zu veröffentlichen. Guten Morgen Raimund, schönen Tag allerseits. Zurück zu den eigentlichen Forenthemen.

    • Willi Betz sagt:

      Ich versuche eigentlich schon meiner Intuition und meiner eigenen Vernunft und Auffassungsgabe und meinem eigenen Verstand mit der dazugehörigen eigenen Meinungsbildung meine Entscheidungen zu treffen.
      Das heißt natürlich nicht das Ich deswegen beratungsresistent bin, sondern einfach nur das ich mir meine eigenen Gedanken dazu mache ,auch ohne KI
      Natürlich werden da auch manchmal unbeabsichtigt falsche Entscheidungen getroffen, aber so ist eben das Leben
      Sollte die KI schlauer sein, dann soll es halt so sein.
      Deswegen geht das Leben auch weiter.

      • Peter Czeck sagt:

        Och ich nutze die KI schon. Man kann mit ihr sogar in gewisser Weise diskutieren. Aber wie sie selbst einräumt kann sie irren. Sie lässt sich auch leicht mit Fakten umstimmen. Letztlich entscheidet dann doch mein Gehirn…auch fehleranfällig 🤷

      • Michael sagt:

        Willi, Du machst alles richtig.

        Die KI kann persönlich als Unterstützung genutzt werden, nicht als Ersatz für menschliches eigenständiges Denken.

        Denn am Ende ist jeder für seine eigenen Entscheidungen persönlich verantwortlich und muss / darf mit diesen Leben – nicht die KI.