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Greiffbar – Ballermann

11. September 2026
Volker Schilling
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von Volker Schilling

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

Geh mal Öl holen

Malle ist nur einmal im Jahr – an der Börse ist derzeit allerdings jeden Tag Ballermann. Die Stimmung ist aufgeheizt, Trump dreht die Musik immer lauter und irgendjemand bestellt ständig die nächste Runde Öl. Brent schoss gestern auf 108 Dollar, mehr als sechs Prozent höher an nur einem Tag. „Geh mal Öl holen“ scheint derzeit das Motto an den Rohstoffmärkten zu sein. Nur kommt die nächste Runde nicht aus dem Bierkönig, sondern aus der Straße von Hormus. Das geht ab: Tanker werden angegriffen, Verkehrswege eingeschränkt, saudische Energieanlagen bedroht und Donald Trump kündigt an, dass der Krieg mit Iran noch länger dauern könnte. Der Ölmarkt dreht auf Mama Laudaaa. Dazu passend feiert die OPEC nach dem Motto Die Party sind wir ihren 66. Geburtstag. Andere bekommen zum Geburtstag eine Flasche, die OPEC bekommt das ganze Fass. Für Energieaktien heißt es deshalb derzeit eher Cordula Grün, während der Rest des Kurszettels zunehmend rotsieht. Und wer jetzt „Schatzi, schenk mir ein Foto“ ruft, der wünscht sich einfach den Brent-Chart seit Anfang August als Depotausdruck: Rund 25 Prozent plus. Da braucht es keinen Filter. Der Ölpreis ist momentan so Dicht im Flieger, dass er sich als König von Mallorca fühlt.

Der Zins, der Zins, der Zins hat keine Bremse

Was am Ballermann der Alkohol ist, ist an der Börse die Inflation: Irgendwann steigt sie einem zu Kopf. Öl über 100 Dollar trifft auf einen US-Arbeitsmarkt, der im August statt erwarteter 56.000 gleich 162.000 neue Stellen geschaffen hat. Der Markt wollte eigentlich Zinssenkungen feiern, inzwischen bestellt er wieder Zinserhöhungen. Ich schwanke noch dürfte derzeit deshalb das Lieblingslied der Börse sein. Die Fed schwankt allerdings immer weniger. Nach den jüngsten Erzeugerpreisen taxiert der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung kommende Woche inzwischen auf rund 70 Prozent. Und gestern hat die EZB-Layla in Frankfurt schon einmal vorgemacht, wie das geht: Die EZB erhöhte den Einlagensatz von 2,25 auf 2,50 Prozent. Da hat Das rote FED sich einfach umgedreht, könnte schon nächste Woche die amerikanische Coverversion heißen. Am Bondmarkt läuft derweil längst Der Zins, der Zins, der Zins hat keine Bremse. Die zehnjährige US-Rendite erreichte 4,9 Prozent, deutsche Bundesanleihen zeitweise das höchste Renditeniveau seit 2011. Öl liefert die Inflation, die Notenbanken schenken nach und der Anleihemarkt bringt die Rechnung. Wer jetzt noch Johnny Däpp für einen Partygast hält, sollte einmal ein hoch verschuldetes Unternehmen fragen, wem sie gerne Inselverbot erteilen würden.

Ich hab ´nen Gewinn in meiner Bauchtasche

Ich hab ’nen Gewinn in meiner Bauchtasche. Und einen KI-Hunger, wenn ich nicht aufpasse, frisst dem Gewinn aus meiner Bauchtasche seinen Cashflow weg. Willkommen bei der vermutlich teuersten Mallorca-Party aller Zeiten. Amazon kann im Rahmen seiner neuen Vereinbarung mit Qualcomm bis zu 60 Milliarden Dollar für KI-Rechenzentrumschips und verwandte Produkte ausgeben. Google investiert Milliarden in neue KI-Infrastruktur und sichert sich gleich langfristig den Strom dazu. Meta lässt autonome KI-Agenten arbeiten. Auf Malle würde man sagen: Mach voll. Im Silicon Valley heißt das Party, Palmen und Cash Cash. Besonders schön passt dazu ein Geburtstag an diesem Wochenende. Morgen vor 68 Jahren präsentierte Jack Kilby den ersten integrierten Schaltkreis. Das Ding war ungefähr so groß wie ein halber Bierdeckel. Heute würde vermutlich ein ganzer Bierdeckel nicht mehr ausreichen, um die Rechnung für die KI-Industrie darauf zu schreiben. Vom Mikrochip zur Makrorechnung in 68 Jahren. Und genau da wird unsere Ballermann-Woche plötzlich ziemlich ernst. Denn die Techkaonzerne veranstalten den größten Investitionsboom ihrer Geschichte ausgerechnet in dem Moment, in dem Kapital wieder richtig Geld kostet. Staaten brauchen Billionen, Hyperscaler Milliarden und der Anleihemarkt verlangt dafür immer höhere Eintrittspreise. Noch läuft die KI-Party, die Gewinne sind gewaltig und die Tanzfläche voll. Aber Ich schwanke noch, ob wirklich jeder, der heute Rechenzentren baut, morgen auch genügend Rendite damit verdient. Denn eines gilt in Palma genauso wie an der Wall Street: Irgendwann geht das Licht an. Die Musik verstummt und man sieht die Schnapsleichen am Boden. Doch noch gilt: Eine Woche wach, denn Malle ist nur einmal im Jahr. 

Ihr Volker Schilling

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Kommentare

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  • Michael sagt:

    Hi Volker, geil geil geil – ich hab mir fast Tränen gelacht bei Deiner Kolumne! Top, Klasse.

    Ich hoffe Du bist auch mindestens einmal jährlich auf Malle, oder hast dort ein Anwesen. Eine wunderschöne Insel, die alles zu bieten hat.

  • Andreas B sagt:

    Raimund du lagst mit deiner Annahme falsch, Zinsen wurden doch angehoben.

    Für mich der richtige Schritt, um zumindest nach außen eine gewisse Glaubwürdigkeit der FED zu erhalten… ob ein einmaliger Schritt wird die Zeit zeigen…

    • Raimund Brichta sagt:

      Welche Annahme?

      • Andreas B sagt:

        Du hattest hier mal geschrieben, glaube ich zumindest im Hinterkopf noch zu haben, dass du davon ausgehst, dass die FED im September die Zinsen nicht anhebt.

        • Raimund Brichta sagt:

          Ja, das war schon ein paar Wochen her. Aber wie die Finanzmärkte, die ihre Erwartungen andauernd hoch und runter preisen, hatte ich meine Erwartungen inzwischen ebenfalls geändert.

          Nicht geändert habe ich allerdings meine Einschätzung in Bezug auf die Nützlichkeit dieses Schritts. Er bringt nichts.

  • Aries Eeberg sagt:

    Entgleitet Trump die Macht?
    .
    In letzter Zeit ist doch einiges nicht so gelaufen, wie Trump sich das vorgestellt hat. Da meine ich nicht nur die Zinsentscheidung der FED und den Krieg am persischen Golf. Auch der Supreme Court hat wiederholt nicht in seinem Sinne gestimmt. (zuletzt zu Briefwahlstimmen) Und dort sitzen wie bei der FED vom ihm ernannte Leute. Auch einige MAGA-Größen haben sich von ihm abgewandt. (Carlson, Taylor-Green, …)
    .
    Seine irrationalen Drohungen verfangen auch nicht mehr so, wie früher. (neue Zölle wegen Zinserhöhung) … Wenn er der Welt droht und eigentlich China treffen müsste, macht er schnell einen Rückzieher oder bestraft die eigenen Verbündeten. (Strafzölle für Iran-Handel ankündigen und dann nichts tun und später Ukraine für Dieselknappheit verantwortlich machen.)
    .
    Verlassen ihn zunehmend seine eigenen Leute wie seine Pressesprecherin Leavitt? … Die Karrieristen wollen vielleicht nicht in seinen Untergang mit hineingezogen werden.
    .
    Interessant ist auch, dass er manchmal ungewöhnlich ruhig ist, wenn wirklich wichtige Verhandlungen stattfinden. … wenn zum Beispiel Kushner und Wittkoff unterwegs sind. … Wurde ihm ein Maulkorb verpasst? Dazu passen dann die nächtlichen Ausbrüche auf Truth Social, in denen er später Dampf ablässt. … Oder ist das alles nur politics und Wahlkampf für die eigenen Unterstützer?

    • Willi Betz sagt:

      Wenn er die Midterms verliert ist er wohl nur noch ein Auslaufmodell , das seine Zeit hatte.

    • Sandro sagt:

      Es wäre nicht ungewöhnlich, dass ein US-Präsident nach den Midterm-Wahlen an Macht verliert, insb die absolute Mehrheit in Senat und/oder Repräsentantenhaus. Das verspricht Kontinuität: Ein Präsident (ganz egal wer), der dann keinen großen Schaden für die Finanzmärkte mehr anrichten kann, ist gut für die Börse.

      • Peter Czeck sagt:

        Midterms… es gibt ja nicht gerade wenige Regierungschefs, denen Trump fest auf die Füße getreten ist. I.d.Z ist der zeitliche Zusammenhang zu den Midterms mit dem aktuellen Auftreten des kanadischen Premierministers im EU Parlament heute vielleicht kein Zufall. Die Midterms finden Anfang November statt. Das nächste Treffen EU/Kanada wg. quasi „Mitgliedschaft EU“ findet Ende Oktober statt. Hhm.🤔..Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen oder Wahlen zu beeinflussen.

        • Sandro sagt:

          „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen oder Wahlen zu beeinflussen“

          Es hat auch niemand hat die Absicht, irgendwem 5000 USD für sein Wahlkreuzchen zu zahlen. 😉

          Ähm, Kanada soll ja gar nicht EU-Mitglied werden (wäre auch sehr seltsam), will es ja auch gar nicht werden. Es geht nur um ein Abkommen.

          Die USA brauchen viel Energie aus Kanada. Am Ende wird es wahrscheinlich wieder eine TACO-Nummer…

        • Sandro sagt:

          Anbei mal die Handelsbilanz der USA. Sieht nicht so aus, als ob das Defizit gerade sinkt.

    • Peter Czeck sagt:

      Naja auf die Annäherung von Kanada an die EU hat Trump wieder wie gewohnt reagiert…Zolldrohung. Die freie Rede des kanadischen Premierministers heute im EU Parlament war eine schwer zu toppende Spitzenleistung… stehende Ovationen der Parlamentsmitglieder. So nebenbei…der Auftragsbestand der deutschen Industrie ist ganz aktuell auf ein neues Rekordhoch geklettert (u.a. f. Züge). Hoffen wir das Beste Aries.

      • Willi Betz sagt:

        Wenn die Midterms für Ihn verloren gehen, werden die Zollandrohungen wohl auch fast keinen mehr hinter dem Ofen hervor holen.
        Das nächste wird dann sein das sich viele seiner Leute dann vom Acker machen aus Angst vor einer möglichen juristischen Überprüfung bestimmter Vorgänge , wohlwissend das in ca. 2 Jahren ein komplett neues Kapitel aufgeschlagen werden kann.
        Zum Schluss bewirbt sich Mexiko dann wie Kanada auch noch um eine assoziierte Mitgiedschaft in der EU.

        Wäre eine ganz interessante Sache wenn es so kommen würde.
        🇩🇪🇨🇦🇲🇽🇪🇺 = das hätte schon was, 😄👍