von Volker Schilling
Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?
- Die kleine Kneipe
- Der Papa wird’s schon richten
- Ich zähle täglich meine Sorgen
Die kleine Kneipe
Peter Alexander hätte in dieser Woche seinen 100. Geburtstag gefeiert. Vermutlich hätte er die Börsenwoche wie eine große Samstagabendshow moderiert. Die Bühne wäre festlich geschmückt gewesen und in Die kleine Kneipe hätten sich Fußballfans, Börsianer und Politiker am Stammtisch getroffen. Allerdings blieb es dort in dieser Woche etwas ruhiger. Nach dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft dürfte so mancher Zapfhahn früher auf Feierabend gestellt worden sein. Und manchmal weinst du sicher ein paar Tränen. Das gilt für Fußballfans ebenso wie für manchen Gastwirt. Große Turniere sorgen schließlich nicht nur für Emotionen, sondern regelmäßig auch für steigende Bierumsätze. Während der Wirt noch über leere Bierdeckel nachdenkt, klopft bereits der nächste Gastronom an die Tür. Taco Bell wagt den Sprung nach Deutschland. Hinter dem Taco steckt allerdings kein kleiner Imbiss, sondern Yum! Brands mit Taco Bell und KFC. Über 40.000 Restaurants weltweit, steigende Gewinne und eine Aktie, die ihren Anlegern in den vergangenen Jahren deutlich mehr Freude bereitet hat als so mancher DAX-Wert. Yum! zapft Gewinne. Und der Anleger bestellt gerne eine Runde. Peter Alexander hätte vermutlich gesungen: Ich weiß, was dir fehlt. Dem Fußballfan das Halbfinale. Dem Wirt ein paar Gäste mehr. Dem Anleger vielleicht ein paar Aktien von Yum! Brands. Aber sie wissen ja, Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere. Wie dieser zum Beispiel:
Der Papa wird’s schon richten
Früher hatte Deutschland seine Mutti. Heute setzt das Land auf seinen Papa. Der Papa wird’s schon richten war bei Peter Alexander ein augenzwinkernder Schlager. Bei Friedrich Merz entwickelt sich der Titel langsam zum Regierungsprogramm: Berichtspflichten sollen verschwinden, Bürokratie abgebaut, Datenschutz praktikabler gestaltet und Unternehmen wieder mehr Luft zum Arbeiten bekommen. Die vorgestellte neue Steuerreform ist dafür ein gelungener Kompromiss. Wenn das geschieht, stehen die Chancen gut, wieder Schwung in die Wirtschaft zu bringen. Wichtiger erscheint mir jedoch etwas anderes: Deutschland diskutiert endlich wieder darüber, wie Wachstum entstehen kann und nicht nur darüber, wie Wohlstand verteilt wird. An der Börse investiert schließlich niemand in Unternehmen, die schrumpfen. Investiert wird in Unternehmen, die besser werden. Vielleicht gilt genau derselbe Maßstab auch für Volkswirtschaften. Hier ist ein Mensch, sang Peter Alexander einst. Genau darum geht es. Politik lebt am Ende nicht von Pressekonferenzen, sondern von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Ob Papa am Ende wirklich alles richtet, wissen wir noch nicht. Aber immerhin hat er den Werkzeugkasten geöffnet.
Ich zähle täglich meine Sorgen
Kaum ein Schlager beschreibt den deutschen Gemütszustand besser als Ich zähle täglich meine Sorgen. Inflation, Kriege, Benzinpreis, Trump. Und wenn einmal nichts passiert, machen wir uns Sorgen um einen gestrandeten Wal. Dabei war die Nachrichtenlage diese Woche deutlich besser als gedacht. Das Schwarze Gold, der Ölpreis, sinkt und nimmt Druck von der Inflation. Deutschland meldete zuletzt 2,3 % Teuerung und damit Ein bisschen mehr als der Zielwert von 2 %. Das liegt zwar noch oberhalb des Zielwertes, aber weit unter den Inflationsraten der vergangenen Jahre. Kevin Warsh machte auf der Notenbankkonferenz in Sintra dennoch klar, dass Preisstabilität Geduld verlangt. Lieber den letzten Kilometer sauber laufen als den Sieg zehn Meter vor dem Ziel auszurufen. Das klingt wenig spektakulär. Für die Börse ist genau das oft die beste Nachricht. Vielleicht sollten wir deshalb nicht jeden Tag unsere Sorgen zählen. Sondern gelegentlich auch unsere Chancen. Deutschland reformiert. Der Ölpreis fällt. Unternehmen investieren. Die Börsen bleiben erstaunlich robust. Das ist vielleicht schon ein kleiner Silberstreif am Horizont. Und falls uns trotzdem einmal die Zuversicht ausgeht, hilft vielleicht Peter Alexander weiter: Komm ein bisschen mit nach Italien. Nicht wegen der Sonne. Sondern wegen der Gelassenheit. Denn zwischen Ich zähle täglich meine Sorgen und Das Schönste auf der Welt liegt oft nur eine Entscheidung. In diesem Sinne verabschiede ich mich heute nicht mit einer Börsenweisheit. Sondern mit einem weitere Peter-Alexander-Titel: Sag beim Abschied leise Servus.
Ihr Volker Schilling
Weitere Greiffbar-Ausgaben lesen

„Unternehmen investieren.“
Peanuts in Deutschland.
Massivste Investitionen in den wirtschaftlich erfolgreichen USA, Südkorea und Japan.