von Volker Schilling
Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?
- Enhanced Games
- Hunger Games
- Squid Games
Enhanced Games
In Las Vegas wurde diese Woche offiziell das sportliche Feigenblatt abgelegt. Die Enhanced Games erlauben leistungssteigernde Mittel, zahlen Millionenprämien und nennen das medizinisch überwachte Optimierung. Kurz gesagt: schneller, höher, weiter, Hauptsache mit Beipackzettel. Ganz neu ist das Prinzip nicht. Auch die Börse wirkt derzeit, als hätte sie noch einmal kräftig in den Dopingschrank gegriffen. Nasdaq, S&P 500 und Nikkei klettern auf Rekordstände, getrieben von Chip-Fantasien, Rechenzentren und der Hoffnung, dass künstliche Intelligenz irgendwann nicht nur Kurse, sondern auch Gewinne vervielfacht. Samsung dopt, wenn auch nicht ganz freiwillig, seine Belegschaft derweil mit gigantischen Boni aus dem Halbleiterboom. Ferrari dagegen pimpt seine Modellpalette mit dem elektrischen Luce auf und hofft auf ein neues nachhaltiges Klientel. Von 0 auf 100 in
2,5 Sekunden, das verspricht der neue, mit eigenem Sound ausgestattete E-Ferrari. Wo man diese Woche auch hinschaute, überall roch es nach Leistungssteigerung. Die Frage ist nur: Sind das echte neue Rekorde oder nur Märkte auf Anabolika? Anleger berauschen sich an den Höchstständen und sind nicht vorbereitet auf Hunger Games.
Hunger Games
Deutschland spielt derweil eine andere Disziplin. Die Wirtschaftsweisen senken die Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent. Das ist kein Aufschwung, das ist Kalorienzählen im Konjunkturcamp. Wer mit 0,5 Prozent Wachstum durch den Wald läuft, sollte nicht zu laut rascheln, sonst merkt noch jemand, wie dünn die Vorräte sind. In diesem Hunger Game geht es nicht um Ruhm, sondern ums Durchkommen. Industrie, Energiepreise, Sozialabgaben, Investitionsschwäche. Alles nagt am Wachstumsknochen. Die Politik predigt den berühmten Gürtel, den man enger schnallen muss, währenddessen vielen schon die Hose auf Halbmast hängt. Gleichzeitig schaut der Staat auf KNDS, den deutsch-französischen Panzerbauer, dessen Börsengang für diesen Sommer vorbereitet wird. Man möchte als Staat eine signifikante Beteiligung am Unternehmen eingehen. Verteidigung wird damit wie bei den Hunger Games zur Überlebensstrategie, Aufrüstung, um über sich selbst hinaus zu wachsen. Wenn schon die zivile Wirtschaft hungert, dann soll wenigstens der Verteidigungshaushalt satt werden.
Squid Games
Und dann kommen die ganz großen Spiele auf uns zu. SpaceX, OpenAI und Anthropic werden als Mega-Börsengänge die kommenden Monate mit den Anlegern „Grünes Licht, Rotes Licht“ spielen. Die Anleger schielen auf das prall gefüllte Sparschwein über ihnen und sehen nicht die gewaltigen Gefahren. Zusammen könnten diese Börsengänge so viel Kapital ansaugen, dass sich der Rest des Marktes fragt, ob noch genug zum Überleben bleibt. Willkommen bei den Squid Games der Kapitalmärkte. Wer bekommt Geld, wer bekommt Aufmerksamkeit, wer bleibt übrig, wenn alle gleichzeitig durch dieselbe Tür rennen? Der Benner Cycle wird bereits wieder herumgereicht, dieser alte Börsenkalender aus dem 19. Jahrhundert, nach dem 2026 ein Jahr hoher Preise und damit ein Jahr zum Verkaufen sein könnte. Natürlich ist das keine Wissenschaft. Aber an Märkten reicht manchmal schon ein alter Chart, um moderne Nervosität zu erzeugen. Brot und Spiele bestimmten diese Woche die Welt, und an der Börse heißen sie derzeit Künstliche Intelligenz und IPOs. Grüßen uns hier schon die Totgeweihten oder läuft der Circus noch eine Weile? Ich denke, wir können uns noch entspannt zurücklehnen und das Momentum genießen. Denn bevor der Abspann eingeläutet wird, kommen erst einmal die nächsten Spiele auf uns zu: Die Fußballweltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko.
Ihr Volker Schilling
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„… 2026 ein Jahr hoher Preise und damit ein Jahr zum Verkaufen sein könnte.“
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Das sehe ich auch so. Ich bleibe zwar immer investiert. Aber ich habe mir aus den Aktiengewinnen dieses Jahres etwas Schönes gekauft. …. Das habe ich dann auch noch, wenn die Aktien fallen sollten. … Und wenn nicht …. ? Dann steigt ja der Rest und ich werde nicht ärmer dabei.
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Zum Thema „Zeit oder Geld“ hat Andreas Beck ein schönes Video gemacht. Man könnte das Thema auch nennen: „Geld oder Leben“. >>> https://www.youtube.com/watch?v=wLU58AXycws