von Raimund Brichta
Ich habe mir mal angeschaut, wie sich die Aktien entwickelt haben, die bei uns nach dem Bruch ihres langfristigen Aufwärtstrends rausgeflogen sind. Das Ergebnis ist bemerkenswert: In den allermeisten Fällen war genau dieser Trendbruch das entscheidende Warnsignal.
Seitdem liefen die betreffenden Aktien entweder nur noch seitwärts – oder deutlich nach unten. Der Rauswurf war rückblickend also meist die richtige Entscheidung.
Die Liste dieser Aktien ist lang: Biomérieux, Exponent, ResMed, Lenzing, Carl Zeiss Meditec, Geberit, Medtronic, Edwards Lifesciences, Bakkafrost, Nibel, SolarEdge, American Water, Mayr-Melnhof, Shimano, Kerry Group, Rational, Fuchs Petrolub, Coloplast, LVMH, Gilead Sciences, Hershey, Auckland International Airport, Canadian National Railway, Fielmann, Adobe, Schindler, Nestlé, Fiserv, Danaher, Roper, Intuit und Copart.
Und die Gegenbeispiele? Bislang gibt es praktisch nur eines: Samsung. Die Aktie hat ihren langfristigen Aufwärtstrend nach einiger Zeit tatsächlich zurückerobert.
Genau für solche Fälle haben wir inzwischen eine Ergänzung unserer Strategie entwickelt. Aktien, die wegen eines Trendbruchs aussortiert wurden, bleiben künftig über unsere reguläre Limit-Überwachung auf dem Radar. Ein Fall wie Samsung soll uns künftig nicht mehr durch die Lappen gehen.
Daneben gibt es einige Sonderfälle:
Bei Cisco – von Peter erwähnt – gab es gar keinen langfristigen Aufwärtstrend, den wir als Ausstiegssignal hätten nehmen können. Inzwischen hat die Aktie allerdings ihre Höchststände aus dem Jahr 2000 wieder erreicht – ähnlich wie Microsoft schon Jahre zuvor. Das ist grundsätzlich ein positives Signal und macht Cisco wieder interessant für die Watchlist.
Old Dominion hat den langfristigen Trend zwar noch nicht zurückerobert, ist inzwischen aber wieder von unten an ihn herangelaufen. Klassischerweise müsste die Aktie dort nun abprallen und bestenfalls seitwärts laufen. Gelingt dagegen die Rückeroberung des Trends, wäre auch Old Dominion wieder ein Kandidat für die Watchlist.
Auch Lotus hat den langfristigen Trend bislang nicht zurückgewonnen, sich nach unserem Ausstieg aber kräftig erholt. Hier wäre etwas mehr Geduld die bessere Lösung gewesen.
Fazit:
Vier fragliche Fälle stehen derzeit 32 aus heutiger Sicht richtigen Entscheidungen gegenüber. Die Trefferquote der Strategie „Bei Trendbruch raus“ liegt damit bei annähernd 90 Prozent. Das Instrument hat sich damit klar bewährt.

Verlierer rausschmeißen, Gewinner drin lassen.
Im Endeffekt kommen sämtliche Hoch-KGV Werte auf eine realistische Bewertung zurück. Weitere Werte, die NOCH im WWD sind, folgen dieser gesunden Korrektur. Rollins und Intuitive Surgical sind auf dem Weg nach unten.
Hohe KGVs werden nur so lange bezahlt, so lange der Markt die Wachstumsstory dahinter abkauft – bzw so lange die Märkte in Liquidität ersaufen.
Das ist seit Monaten sehr offensichtlich nicht mehr der Fall.
Solange bei solchen Korrekturen der Trend intakt bleibt, ist uns das egal.
Hhm. naja trifft auf die Vorgehensweise des WWD sicher zu. 👍Kann individuell natürlich anders aussehen, wenn man Kursrückgänge von WWD-Werten abwartet und dann erst einsteigt (Binse). Bei Gilead Siences bin ich mit 58% im Plus. Dazu kommt eine ansprechende Dividendenrendite. Der Zeitpunkt und der Zeitraum der Betrachtung ist bei solchen Statistiken außerdem auch ausschlaggebend. Wenn ich mir die letzten 5 Jahre v. Gilead ansehe ist die Aktie eher noch im Aufwärtstrend. Es ist auch die Frage, ob bei Pharma oder Medizintechnik Trends, die 5 Jahre überschreiten überhaupt so entscheidungserheblich sind. Da geht’s doch eher um Patente, deren Ablauf und Neuentwicklungen. Das ist doch quasi das branchenspezifische Geschäftsmodell…also bei diesen Branchen verliert das Geschehen vor 10 Jahren doch eher an Bedeutung.
Da mag für dich als Einzelinvestor zutreffen, lieber Peter. Wir wollen unser Depot allerdings zunehmend mit Aktien befüllen, bei denen wir nicht alle fünf Jahre ein- oder aussteigen müssen. Soweit ich das überblicke, haben wir einen recht hohen Anteil solcher Werte bereits drinnen. Den Rest bauen wir halt um – solange bis es passt.
👍
Hallo Raimund, ich finde diese Erkenntnis sehr interessant und frage mich gerade, warum in deiner Liste Watsco nicht auftaucht. Ich hatte den Wert damals empfohlen und habe mich im März 2025 davon getrennt, 5 Monate nach den Höchstständen im November 2024. Auf dem Chart ist doch auch erkennbar, dass der Aufwärtstrend gebrochen ist. Oder übersehe ich da etwas?
Genau das ist der Grund, weshalb Watsco fehlt.
Sorry, da hatte ich dich falsch verstanden. Ich war in einem Weinlokal und hatte in meiner Handy-Ansicht den Chart nicht gesehen, den du mitgeschickt hattest.
Bei langfristiger Betrachtung solltest du niemals den linearen Chart nehmen, sondern immer nur den logarithmischen. In dieser Betrachtung ist der langfristige Aufwärtstrend bei Watsco immer noch intakt. Deshalb haben wir uns von dieser Aktie auch nicht getrennt. Wenn du in unser Comdirect-Depot schaust, siehst du, dass Watsco sogar eine der erfolgreichsten unserer Aktien ist.
Dies ist der logarithmische Chart:
Auch wenn ich mich jetzt oute, ich habe wieder was gelernt. Hatte den logarithmischen Chart bislang nicht auf dem Schirm.
Täusche ich mich oder ist hier unser Wert EssilorLuxottica dabei, den sehr langfristigen Aufwärtstrend zu brechen?
Das freut mich, lieber Bernd. Auch ich lerne täglich dazu. Essilor Luxottica steht tatsächlich auf unserer gelbe Karten Liste. Noch kein signifikanter Trendbruch, aber Verwarnung!
Bin charttechnischer Laie. Warum legt ihr das Lineal nicht an den unteren Zacken 2008/2009 an? Dann hätten wir doch schon früher einen Trendbruch.