von Volker Schilling
Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?
- Mensch ärgere dich nicht
- Das hält kein Mensch aus
- Sei ein Mensch
Mensch ärgere dich nicht
Ist die Stimmung schlechter als die Lage? Oder die Lage besser als die Stimmung? Und was passt sich zuerst an? Ja, die Menschen ärgern sich über die Politik, die Weltlage und die Deutsche Bahn, aber gleichzeitig steigen die Börsenindizes auf Allzeithochs und Amazon und Meta melden diese Woche fantastische Zahlen. Vieles ist ärgerlich, aber am ärgerlichsten sind die Schwarzmaler. Dabei kann Unzufriedenheit so ein großer Antrieb sein, die Dinge in die Hand zu nehmen. Dauernd den Weltuntergang zu predigen, macht nicht nur schlechte Laune, sondern ist auch ziemlich unproduktiv. Oder wie Martin Luther es treffend formulierte: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.“ Schauen wir lieber was geht, als was nicht geht. Suchen wir lieber nach dem Vor- statt dem Nachteil. Die Realität: Sind die Börsenkurse im Keller, haben wir Angst zu investieren, sind die Kurse auf dem Hoch, haben wir ebenfalls Angst teuer einzusteigen. Dabei ist Mut statt Angst viel kreativer, viel produktiver, viel erfüllender und in der Mehrzahl der Fälle auch erfolgreicher. Der beste Tag in Aktien zu investieren, war vor 20 Jahren, der zweitbeste Tag ist heute! Und alle, die noch auf der Suche nach unterbewerteten Sektoren sind, werden in meinem aktuellen Interview bei Wallstreet Online fündig: „Besser als Gold“.
Das hält kein Mensch aus
Spektakuläre Meldungen diese Woche. Das altehrwürdige Kaufhaus des Westens, kurz KaDeWe, meldet Insolvenz an. Das Bundeskriminalamt, kurz BKA, beschlagnahmt Bitcoins im Wert von 2 Mrd. Euro. Der chinesische Immobiliengigant Evergrande, kurz PLEITE, wird per Gericht zur Auflösung gezwungen. Jürgen Klopp, kurz Kloppo, verkündet sein Aus beim Liverpool FC. Der deutsche Konsumentenpreisindex, kurz Inflation, fällt auf 2,9% und die US-Notenbank, kurz FED, macht spektakulär nichts bei den Zinsen. Das hält kein Mensch aus, was da so alles auf uns einprasselt. Ich habe da eine Empfehlung: Am liebsten lese ich Zeitungen, die ein halbes Jahr alt sind. Warum? Ganz einfach: Man stellt fest wie unwichtig die meisten Nachrichten sind, die einem noch vor einem halben Jahr als spektakulär verkauft wurden. Beschäftigen Sie sich lieber mit den Themen, für die Sie eine Leidenschaft haben, wie ich zum Beispiel bei meinem aktuellen Interview für das Börsenradio: „Leidenschaft ist zeitlos“. Der Mensch ist dabei nicht nur der Erfolgsfaktor, sondern nach wie vor der wichtigste Treiber an den Kapitalmärkten:
Sei ein Mensch
Ob er dabei eher passiv oder aktiv agiert oder womöglich künftig durch die Künstliche Intelligenz ersetzt wird, ist wohl eine Frage des Betrachtungswinkels. Mehr dazu in meinem aktuellen Interview für n-tv Fonds: „Aktiv oder passiv – Wenn die KI den Fondsmanager ersetzt“. Was die Künstliche Intelligenz auch in Zukunft wohl kaum ersetzen kann, ist „Menschlichkeit“, die ungewöhnliche Fähigkeit der unbedingten Empathie mit völlig Fremden. Ein Zeugnis der Macht der Menschlichkeit haben wir diese Woche im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag erlebt. Sportreporter Marcel Reif, mit seiner bewegenden Familiengeschichte, hat in seiner Rede im Bundestag einen wunderbaren Satz seines Vaters hinterlassen: „Sei ein Mensch“. Jeder halbwegs vernünftige Mensch sollte sich diese Rede anhören. Keine Worte der Klage oder Anklage, keine Worte der Verbitterung und Verzagtheit. Vielmehr Worte der Liebe, der Zuversicht und der Macht des Menschseins. Ich wünschte, ich könnte nur halbwegs so formulieren.
Ihr Volker Schilling
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Lieber Volker, ich habe das Interview „Besser als Gold“ bei Wallstreet Online mit Interesse verfolgt. Ich investiere selbst in kleinen Raten (vielleicht viel zu wenig) in Xetra-Gold und auch in einen Goldminenaktien-ETF. Ich hätte 3 Fragen:
1. Warum interessiert sich der Markt derzeit nicht für Goldminen-Aktien, wo doch der Goldpreis im Aufwärtstrend ist (u. a. dank Notenbankkäufen, z. B. aus China)?
2. Wieviel Gold gibt es überhaupt noch unter vertretbarem Aufwand zu fördern? Wie lange (grob geschätzt in Jahrzehnten) wird es überhaupt noch große Goldminen in nennenswerter Anzahl geben (ohne dass man Gold von Asteroiden schürfen müsste)?
3. Was wären die Konsequenzen für einen sehr langfristig orientierten Anleger aus den Antworten zu Frage 1 und 2?
Hallo Sandro,
wir haben in der Vergangeheit an den Börsen immer wieder gesehen, dass ganze Sektoren und Branchen in „Ungnade“ gefallen sind und gemieden werden. Minenwerte gehören aufgrund ihrer meist schlechteren ESG Bilanz dazu. Dazu kommt, dass es bisher noch keinen Katalysator gab, der Investoren dazu bewogen hat im großen Stil einzusteigen. Vielmehr gilt hier auch das Prinzip „The trend is your friend“. Will heißen, solange die Minenwerte nicht performen, will auch keiner ein. Ich finde allerdings, dass die Zeit gekommen ist, da einem bei vielen der Werte die Kursentwicklung in Anbetracht teils zweistelliger Dividenden erst einmal egal sein kann. Wann die „Goldmarie“ wachgeküsst wird ist schwer zu timen. Auch zu erwähnen sind natürlich die teils gestiegnen Energiepreise bei den Minen und die oft geographisch politische schwierige Lage, die zu Kursabschlägen führen kann.
Zu deinem zweiten Punkt kann ich dir eine ganz einfache Antwort geben. Es wird auch in Zukunft genug Minen geben, es ist nur die Frage zu welchem Preis? Gold zum schürfen wäre genug da, es gibt nur „grenzpreise“ bei denen es sich erst lohnt, das Gold zu schürfen. Beispiel: Meerwasser. Das im Meerwasser gelöste Gold kann in einem aufwendigen Verfahren wieder gewonnen werden, allerdings nicht zum aktuellen Goldpreis. Mit anderen Worten: Steigende Goldpreise bringen neue Minenprojekte hervor, auch für die langfrristige Zukunft.
Meine Konsequenz kennst du ja. Ich bin der Meinung, dass man sich jetzt langsam einkaufen sollte in solche Goldminenaktien (je nach Gusto und Risikofreude zwischen 5-15% Anteil im Depot) und dann kann man warten auf künftige Kurssteigerungen. Wie lange? Ich weiß es nicht, aber die Unternehmen haben kaum Schulden, haben einen starken positiven Cashflow und zahlen einem während er Wartezeit ordentliche Dividenden. Wie immer ist das wichtigste Organ an der Börse der „Arsch“, also das Sitzfleisch, die Geduld.
Danke für die ausführliche Antwort!
Was mir dazu gerade noch einfällt: Je kostenintensiver das Schürfen von Gold zukünftig wird, desto besser stehen auch Recycler da, z. B. Aurubis.
Ein bekannter Experte zum Thema Edelmetalle und Minenaktien ist Markus Bußler. Ich halte seine Beiträge für ausgewogen.
Ansonsten ist die Message klar: antizyklische Chance, Dividenden gibt’s on top.
Wie lange es noch Goldminen geben wird? Prognosen dürften so sicher sein wie das sogenannte „Peak Oil“.
Goldminen gibt sie seit Jahrtausenden. Sie wird es mEn auch nach Deinem Leben geben…
Wohlhabende Inder kaufen mW Gold privat en masse…
Hallo Volker, Du hast sehr schön formuliert.
„Man stellt fest wie unwichtig die meisten Nachrichten sind, die einem noch vor einem halben Jahr als spektakulär verkauft wurden. Beschäftigen Sie sich lieber mit den Themen, für die Sie eine Leidenschaft haben“. Das ist sehr weise.
Ich versuche, mir Börse einfach zu machen. Klar, wenn es meine Leidenschaft wäre, mich tief in irgendwelchen Kennzahlen zu vergraben und Depots gegeneinander laufen zu lassen, könnte ich das auch. Ist es aber nicht. Ich kaufe am liebsten Aktien, für deren Produkte ich eine Leidenschaft habe, mit Blick auf den Chart, weil da alle Kennzahlen, Ausblicke usw enthalten sind. Dazu noch Raimunds Ausblicke. Ob ich damit besser fahre? Weiss ich nicht. Aber entspannt bin ich dabei.
👍
Vielen Dank. Ich finde deine Vorgehensweise prima.
@Volker: Die Schwarmintelligenz im hiesigen Forum möchte einen Indien ETF ins WWD aufnehmen. Wie stehst Du dazu? Welchen würdest Du präferieren?
Raimund und Volker, wie seht ihr Bitcoin? Schon mal darüber nachgedacht, ihn ggf. als wahren Wert inzwischen anzusehen und vielleicht wie den Gold-ETF beizumischen im WWD, als minimale Position (z.B. max. 2%).
Da ja die Situation des Fiatgeldes bekannt ist, der Systemcrash irgendwann kommt, ist Bitcoin nicht schon allein deshalb ein wahrer Wert? Ich rede nicht von irgendwelchen Altcoins, sondern nur von Bitcoin für das WWD. Die SEC hat ihn letztlich als Rohstoff eingestuft und steuerlich wird er in Deutschland auch wie Xetra-Gold behandelt.
Ein Verbot sollte vom Tisch sein, allein durch die Zulassung der ETF jetzt und die zunehmende Implementierung in Unternehmen, Finanzprodukten und allgemein zunehmende Anerkennung. Eine Regulierung ist weiterhin möglich und auch sinnvoll, allein um kriminelle Dinge zu unterbinden. Bitcoin ist begrenzt und die Nachfrage sollte in der Tendenz steigen und das hat Auswirkungen auf den Preis.
Natürlich basiert Bitcoin nur auf Vertrauen, kein direkter innerer Wert, aber Börse ist auch viel Psychologie. Auch gehe ich davon aus, dass die Volatilität beim Bitcoin tendenziell zurückgeht.
Ich bilde in meinem Depot Bitcoin über einen ETC ab (WKN: A27Z30), ggf. wäre das auch eine Form für das WWD.
Ich möchte hier nichts aufquatschen und es auch nicht direkt als Depotvorschlag verstanden wissen, einfach mal als Meinungsumfrage… für mich ist Bitcoin ein WW, zwar ohne lange Historie, aber er entstand in der Finanzkrise und das eben aus ganz bestimmtem Grund.
Ich sehe ein Problem: Bitcoin kommt für mich wegen der hohen Vola nur in Form regelmäßiger, kleinerer Investments in Betracht, also als Sparplan. In der derzeitigen Situation müssten wir dann händisch jeden Monat einen Betrag X ins Depot buchen. Das wäre zu aufwendig. Außerdem fürchte ich, dürfen wir den Bitcoin-ETC nicht ins WW-Wikifolio einbuchen, weil wir dazu nicht freigeschaltet sind.
Danke für die Antwort und Einschätzung zum Bitcoin Raimund… auch wenn ich deinen Zeilen teils entnehme, du könntest es grundsätzlich schon auch als WW sehen.
… deine Aussage in einem anderen Beitrag zu deiner Mama… lass es hier alles liegen, du musst weder Sonntag ran, noch sowieso nun in der Zeit… du hast jetzt anderes im Kopf.
Die ganze Community hat da sicher vollstes Verständnis. Danke, dass du uns kurz informiert hast. Und außerdem, DANKE, dass du überhaupt diesen Blog hier machst und so viel Zeit investierst… selbst wenn du eine Zeit eben mal nicht viel oder gar keine Zeit hast.
„Bitcoin ist begrenzt und die Nachfrage sollte in der Tendenz steigen und das hat Auswirkungen auf den Preis. „
Das stimmt. Was aber gerne bei Vergleichen von Bitcoin mit Gold übersehen wird: Gold ist ebenfalls begrenzt. Zumindest, wenn man davon ausgeht, dass der Aufwand zum Schürfen von Gold nicht beliebig hoch werden kann. Außerdem ist Biction nicht die einzige Kryptowährung. Die Menge der Kryptos insgesamt, d. h. alle gegenwärtigen und vielleicht zukünftigen Krytowährungen zusammengenommen, wäre unbegrenzt.
Sandro, grundsätzlich richtig. Für mich ist aber der Unterschied, dass man Bitcoin nicht mit Altcoins vergleichen kann. Bitcoin hat einen ganz anderen Sinn und Hintergrund, „als Sicherheitsasset“, wie Gold. Vermögensverwalter können in Bitcoin als Beimischung möglicherweise perspektivisch mit investieren, in Projekte von Altcoins werden sie es wohl kaum tun.
Altcoins und deren Projekte können verglühen so wie sie gekommen sind, wenn sich die Projekte und Anwendungen nicht durchsetzen. Deshalb werden es in meinen Augen hier vermutlich auch nur eher die bereits jetzt großen Altcoins schaffen können.
Tucker Carlson kündigt Interview mit Putin an – seine Worte haben es in sich:
https://x.com/TuckerCarlson/status/1754939251257475555?s=20
Keine Schwarzmalerei, sondern die sukzessive Abwicklung Deutschlands (mit all den Konsequenzen für die künftigen Jobs und das Leben der Kinder und Enkelkinder…)
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Deutsche-Unternehmen-drosseln-Produktion-deutlich-article24718441.html
„Das Minus fällt dabei stärker aus als von Experten erwartet.“
Welche Experten?
Ich bin auch ein Minen-Fan aus ähnlichen Gründen wie Volker.
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Was Goldminen angeht, investiere ich lieber direkt in Gold. Da ist die Kursentwicklung konstanter und langfristig ist Gold ebenso gut gelaufen wie Goldminen, die über viele Jahre tief im Minus lagen.
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Was andere Minen angeht (Kupfer, Eisen, etc.) fand ich ein Interview mit Philipp Vorndran heute morgen in der Telebörse sehr interessant. (Habe ich leider auf der ntv-Seite nicht gefunden.) Vorndran ist China-Experte. Er wies darauf hin, dass in China in Zukunft wesentlich weniger gebaut wird und sich die nächsten Entwicklungsschritte dort auf Digitalisierung etc. ausrichten. Daraus schließt er, dass China in Zukunft wesentlich weniger Rohstoffe brauchen wird. Dementsprechend kommen die Rohstoff-Preise zurück. Und das ist nun wieder schlecht für die Minen-Aktien.
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Hier haben wir den Grund für ihre bisherige schlechte Performance!
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Besonders dumm: Ich habe auf Kupfer-Werte gesetzt wegen der Energiewende und zunehmenden Elektrifizierung. Das ist gewiss ein starker Treiber. Leider werden in China gleichzeitig wesentlich weniger Strom-Leitungen in Neubauten verlegt. Deshalb tritt der Kupfer-Preis wohl auf der Stelle.
Aries, in China wird künftig weiter kräftig gebaut. Die Erklärungen von „Experten“ sind clever formuliert, aber halten sie auch Daten stand?
Faktor Geld schwappt in die USA aufgrund des Zores. Und dort auch nur selektiv in die Infrastrukturunternehmen des 21. Jahrhunderts.
Übrigens, das UK entwickelt sich deutlich besser als das „beste Deutschland aller Zeiten“:
https://www.goldseiten.de/artikel/608186–Maerkte~-USA-hui-Europa-pfui–Schweden-stellt-Ermittlungen-zu-Nord-Stream-Explosionen-ein.html
Erinnert ihr euch noch an die Brexit-Weltuntergangsdiskussionen vor knapp 10 Jahren? 😉
Was haben die „Experten“ damals angekündigt, und wie sehen die Realitäten aus?
„Besonders dumm: Ich habe auf Kupfer-Werte gesetzt wegen der Energiewende und zunehmenden Elektrifizierung“
Da hast Du Dich manipulieren lassen aufgrund medialem Klimagedöns-Hype.
Dennoch dürfte auch Kupfer seinen Weg machen, falls Faktor Geld irgendwann wieder positiv wird. Deflation in China ist halt uncool.
Stay cool.