von Volker Schilling
Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?
- Spahn
- Spanisch
- Spartanisch
Spahn
Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Spä(h)ne. Im politischen Berlin war der (Scherben)Haufen diese Woche allerdings besonders groß. Jens Spahn trat als Fraktionsvorsitzender zurück. Nicht wegen seiner Familie, sondern wegen des politischen Spa(h)nungsfeldes zwischen persönlicher Freiheit und den eigenen moralischen Maßstäben. Das mag privat nachvollziehbar sein. Politisch wurde daraus jedoch eine ziemlich massive Spa(h)nplatte, die er mit eigener Kraft nicht mehr stemmen konnte. Am Ende war Spa(h)nbreite bis zum Rücktritt nicht mehr vorhanden. Die Spa(h)nung in der Union war längst kaum noch auszuhalten. Da half auch kein Feilen mehr. Wo gehobelt wird, fallen eben Spä(h)ne. Während Berlin also seine Holzreste zusammenkehrt, hat Großbritannien bereits den siebten Premierminister in nur zehn Jahren. Andy Burnham übernimmt das Ruder. Auf der Insel wechseln Regierungschefs inzwischen schneller als Hobelblätter. Die Amtszeit eines britischen Premierministers lässt sich mittlerweile eher in Monaten als in Legislaturperioden messen. Es bleibt spa(h)nend, wie lange der Neue durchhält.
Spanisch
Diese Fußballweltmeisterschaft kam einem von Anfang an irgendwie spanisch vor. Nun wissen wir auch, warum. Spanien ist Weltmeister. Verdient. Mit spielerischer Klasse, taktischer Disziplin und vor allem einer Defensive, an der sich die gesamte Fußballwelt die Zähne ausbiss. Ausgerechnet die Verteidigung der Spanier war der Schlüssel, obwohl Trump dies doch für unterfinanziert hält. Schließlich wirft er Spanien seit Monaten vor, zu wenig Geld für seine Verteidigung auszugeben. Die fehlenden Verteidigungsausgaben konnte man im Finale jedenfalls nicht erkennen. Argentinien kam kaum durch. Womöglich sollte die NATO ihre nächste Zielvereinbarung nicht in Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sondern in Gegentoren messen. Bei Trump scheint einem derzeit ohnehin vieles spanisch vorzukommen. Kanada droht er mit Strafzöllen, weil der Rauch der Waldbrände über die Grenze in die Vereinigten Staaten zieht. Von der einen Seite raucht es, von der anderen schallt es. Schall und Rauch waren früher nur eine Redewendung. Donald Trump macht daraus inzwischen eine Zollordnung. Kanada exportiert unfreiwillig Rauch, Washington antwortet mit heißer Luft und am Ende sollen 200 Prozent Zoll die Atmosphäre wieder reinigen. Wenn demnächst Gegenwind aus Mexiko kommt, wird vermutlich auch der verzollt. Und sollte es aus Kanada regnen, dürfte Trump zuerst prüfen lassen, ob die Tropfen ordnungsgemäß deklariert wurden.
Spartanisch
Nach so viel politischer Aufregung bleibt wenigstens die Geldpolitik ihrem Stil treu: spartanisch. Die Europäische Zentralbank ließ den Leitzins unverändert. Zinssenkungen kann sie sich sparen. Stattdessen bleibt die Geldpolitik auf Sparflamme, während der Preis für Brent-Öl wieder die Marke von 100 Dollar erreicht und die Inflationssorgen neu entfacht. Für Verbraucher heißt das: Beim Tanken wird wieder gespart. Auch Google bekommt eine Lektion in Sachen Sparsamkeit. 890 Millionen Euro Strafe verhängte die EU-Kommission diese Woche. Für Alphabet ist das zwar kein Griff ins Sparschwein, aber zumindest eine Erinnerung daran, dass selbst digitale Marktmacht ihren Preis hat. Und dann wäre da auch noch Donald Trump, der ja bekannt ist für seine spartanischen Ideen. Seine Truth-Social-Beiträge sollen künftig gegen Gebühr früher verfügbar sein. Donald weiß: Wahrheit war schon immer wertvoll. Nun bekommt sie offenbar ein Premium-Abonnement direkt aus dem Weißen Haus. Wer Trumps Gedanken zuerst lesen möchte, muss also vor allem an einem nicht sparen: Geld. Vielleicht zahlt man auch nur dafür, früher zu erfahren, welches Land als Nächstes mit Zöllen belegt wird oder welche Aktie als Nächstes ins Depot wandern sollte. Spartanisch bedeutet bekanntlich, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Für Anleger heißt das derzeit: Ruhe bewahren, Geduld behalten und sich vor allem eines sparen: hektischen Aktionismus. Diese Woche begann mit Spahn, endete in Spanien und blieb wirtschaftlich spartanisch. Nur an einem wurde nirgends gespart: an Schlagzeilen. Willkommen im Sommerloch.
Ihr Volker Schilling
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Geniale Kolumne mal wieder von Volker, soviel Kreativität und Witz – vielen Dank!
Spahn und Spanisch, dann auch noch die Verbindung zwischen den spanischen Verteidigungsausgaben und der spanischen Fußball-Defensive herstellen – klasse.
Zitat Jens Spahn (m, 46): „Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das Wichtigste.“
Als Bankkaufmann muss er nicht mehr arbeiten, insofern hat er im Rahmen seiner Möglichkeiten eine ertragsreiche Karriere hingelegt.
Vielleicht kann er ja sein Finanzwissen hier im WWD teilen.
Weiterhin einen schönen Sommer an alle!