von Rainer Rühle
Hallo Herr Brichta,
ich verfolge seit vielen Jahren die NTV-Börse und auch Ihre Kommentare mit und ohne Analysten und deren Bewertung zur Bedrohung von KI für die Software-Unternehmen.
Mir geht es hier speziell um SAP,die m.E. extrem ungerecht abgestraft wurde.
Ich muss feststellen, dass keiner der Analysten über profunde Kenntnisse über die SAP-Details verfügt – geschweige kommuniziert.
Ich bin seit 30 Jahren im Vertrieb und Beratung im SAP-Umfeld und möchte Euch hier mit ein paar Bullit-Points runterschreiben, dass SAP mit und trotz KI sehr gute Perspektiven hat.
- SAP besitzt das tiefste integrierte Prozess‑Know‑how der Welt; KI kann vieles automatisieren – aber sie ersetzt keine 50 Jahre Prozess‑DNA in Finance, Procurement, Manufacturing, Supply Chain, HR und Compliance.
- SAP‘s Stärke ist nicht Software, sondern globale Prozessstandardisierung:
- Paralleler Werte- und Mengen Fluss in Unternehmen
- IFRS‑/HGB‑konforme Buchhaltung out‑of‑the‑box
- Weltweit gültige Steuer‑, Zoll‑ und Compliance‑Regeln
- Branchenlösungen für Automotive, Pharma, Retail, Utilities; Manufacturing => KI kann diese Tiefe verstärken – aber nicht nachbauen.
- SAP kontrolliert die Datenbasis, auf der KI überhaupt erst funktioniert -KI ist nur so gut wie die Datenqualität.
- Und 90 % der relevanten Unternehmensdaten liegen in SAP‑Systemen:
- Materialstämme =(Stammdaten)
- Lieferantenstämme
- Produktionsdaten
- Finanz- und Bewegungsdaten
- Qualitäts- und Compliance‑Daten
- Wer die Datenbasis kontrolliert, kontrolliert auch die KI‑Wertschöpfung.
- Alle Big Wirtschaftsprüfer prüfen die Bilanzen der meisten S&P 500 Konzerne auf Basis der SAP Bilanz, wie soll das KI ersetzen?
- SAP ist das Betriebssystem der globalen Wirtschaft – KI läuft darauf, nicht daneben.
- SAP S/4HANA + Joule = KI direkt im Prozess, nicht als Add‑on.Während andere Anbieter KI als externes Tool anbieten, integriert SAP KI in den Prozessfluss selbst:
- KI‑gestützte Bedarfsprognosen
- Automatisierte Rechnungsprüfung
- Predictive MRP
- KI‑gestützte Lieferantenrisiken
- Automatisierte Qualitätsabweichungen
- Der entscheidende Unterschied ist:
- SAP macht Prozesse intelligent – nicht nur Dokumente
- SAP hat ein Ökosystem, das kein anderer Anbieter replizieren kann über 25.000 Partner, Millionen SAP‑Berater weltweit, und ein globales Netzwerk aus:
- Systemintegratoren (Accenture, Deloitte, PwC, Capgemini)
- Branchenlösungen
- Add‑ons
- Cloud‑Extensions
- BTP‑Apps
- Dieses Ökosystem ist ein uneinholbarer Burggraben.
- Selbst wenn ein Konkurrent morgen ein besseres KI‑ERP hätte – niemand könnte es global implementieren, warten und skalieren.
- Unternehmen wechseln nicht ihr ERP – KI verstärkt den Lock‑in‑Effekt. Ein ERP‑Wechsel kostet:
- 10–100 Mio. €; für globale Konzerne geht das in die Milliarden und dauert 2–10 Jahre Projektlaufzeit
- Verbunden mit massiven Prozess- und Organisationsänderungen, Automatisierungen in der Fertigung die tief in SAP‑Prozesse integriert sind
- Wer heute SAP nutzt, wird durch KI noch abhängiger – nicht weniger.
- SAP ist und bleibt ERP-Weltmarktführer, weil KI nicht Prozesse ersetzt, sondern SAP‑Prozesse verstärkt.
- Die Kombination aus Datenhoheit, Prozessstandardisierung, globalem Ökosystem und tief integrierter KI ist weltweit einzigartig.
- 70% aller Business-Transaktionen in Unternehmen laufen auf SAP-Systemen
- Ich hoffe, diese Zahlen zeigen, dass SAP da Thema KI ernst nimmt aber die Fakten niemals eine SAP gefährden kann
Vielleicht zu viele Themen aber suchen Sie sich dann bitte ein paar Highlights aus 😊
Vielleicht können Sie ein paar Highlights dann auch mit einem SAP-Kenner in NTV an der Börse diskutieren.
Ich freue mich in Ihrem Blog natürlich auch auf eine intensive Diskussion über meine Meinung zu SAP.

Ganz herzlichen Dank, lieber Rainer, für Deine detaillierten Ausführungen. (In diesem Blog sind wir beim Du 🙂)
Ich bin Wirtschafts-, Finanz- und Börsenexperte, aber kein KI-, Software- und SAP–Spezialist. Ein Teil Deimer Ausführungen ist für mich leider reines Fachchinesisch. Dennoch halte ich sie für hochinteressant.
Einen Punkt habe ich schon verstanden und in diversen Interviews schon selbst so formuliert: SAP besitzt seine Kundendaten seit Jahrzehnten. Sie sind niemandem sonst zugänglich. Die Frage ist: Könnten die Kunden nicht verlangen, diese Daten herauszugeben und damit zu einem günstigeren KI-Anbieter wechseln?
Oder:
Wenn SAP die KI immer mehr in die eigenen Systeme einbaut, sind dann in Zukunft noch gleich hohe Zahlungsströme wie in der Vergangenheit zu erwarten? Oder müsste sich SAP dann auf kleinere Zahlungsströme einstellen?
@Rainer: vielen Dank und schön, dass Du Dein echtes Expertenwissen hier einbringst. Ich stimme Dir vollumfänglich zu.
Dazu passende aktuelle Kolumne von Daniel S., dessen Beiträge ich meist sehr schätze:
https://www.t-online.de/finanzen/die-anleger/id_101212112/microsoft-und-sap-unter-druck-boerse-feiert-nur-noch-ki.html
Man sollte wissen, worauf die Weltwirtschaft läuft… Infrastrukturunternehmen des 21. Jahrhunderts…wer zählt dazu? Eigentlich eine einfache Frage…
sehr gute Ergänzung, auch für die anderen Software-Diamanten gilt das analog!
Dann wäre doch die SAP was für das WW-Depot
Daniel’s Beitrag ist gut, Dein Beitrag, Rainer, ist aber hervorragend!
Wer könnte Dein Wissen und Deine Geschäftserfahrung bzgl des SAP Ecosystems toppen? Sicherlich keiner der „Analysten“.
Wenn Du magst kannst Du ja SAP als Depotvorschlag nennen und diesen Thread verwenden.
Explizit vorstellen muss man den Wert ja nicht mehr. Die Eigenkapitalquote ist bekannt, der Langfrist-Chart passt wunderbar…
…und inhaltlich hast Du, Rainer, Deine hochaktuelle, fundierte Einschätzung gegeben. Besser geht’s nicht.
Ja, gerne jetzt aus Depot-Vorschlag einreichen. Wenn nicht jetzt nach 50 % Kurs-Rückgang, wann dann?