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Viel Lärm, wenig Wirkung: Trump und der Machtkampf um die Fed – was Anleger jetzt wissen sollten

1. Februar 2026
Raimund Brichta
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von Raimund Brichta

Donald Trump drängt auf niedrigere Zinsen und bringt seinen Kandidaten für die Spitze der US-Notenbank ins Spiel. Die politische Debatte ist laut – die Märkte bleiben nahezu unbeeindruckt. Warum Investoren den Machtkampf um die Fed gelassen sehen.

 

Kevin Warsh rückt als möglicher neuer Fed-Chef in den Fokus. Er gilt als durchsetzungsstark und soll Donald Trump politisch nahestehen. Dennoch bleiben die Finanzmärkte bemerkenswert ruhig. In der aktuellen Folge des Wirtschafts-Podcasts „Brichta & Bell“ wird deutlich, warum das so ist.

Warum Trump niedrigere Zinsen will

Trumps Forderung nach sinkenden Leitzinsen folgt einer klaren Linie. Niedrige Zinsen stützen Konjunktur und Aktienmärkte, senken die Finanzierungskosten eines hoch verschuldeten Staates und wirken tendenziell dämpfend auf den Dollar. Geldpolitisch jedoch ist dieser Wunsch nicht frei durchsetzbar. Über die Leitzinsen entscheidet nicht der Präsident, sondern der Offenmarktausschuss der Notenbank.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum die Märkte bislang gelassen bleiben.

Der US-Leitzins liegt aktuell bei 3,50 bis 3,75 Prozent, die Inflationsrate zuletzt bei 2,7 Prozent. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren mit gut 4,2 Prozent. Das erklärt, warum die Terminmärkte für dieses Jahr zwei bis drei weitere Zinssenkungen für möglich halten – unabhängig davon, wer an der Spitze der Fed steht. Entsprechend fiel die Reaktion auf Trumps Personalvorschlag nüchtern aus. Aus Marktsicht ist der Machtkampf vor allem politisches Theater, nicht der Beginn einer neuen geldpolitischen Phase.

Was ein Fed-Chef tatsächlich entscheiden kann

Der Einfluss eines Fed-Vorsitzenden wird oft überschätzt. Im Offenmarktausschuss der Federal Reserve gibt es zwölf stimmberechtigte Mitglieder – der Vorsitzende verfügt über eine Stimme. Zinsschritte entstehen aus Mehrheitsentscheidungen, nicht aus Weisungen. Selbst ein politisch genehmer Kandidat kann den geldpolitischen Kurs nicht im Alleingang verändern. Diese institutionelle Begrenzung erklärt einen großen Teil der aktuellen Marktruhe.

Unabhängigkeit der Fed: reale Gefahr oder rhetorische Überhöhung?

Die scharfe öffentliche Kritik Trumps am amtierenden Fed-Chef Jerome Powell hat Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank genährt. Der Ton ist ungewöhnlich, die Strukturen sind es nicht. Präsidenten haben seit jeher versucht, über Personalentscheidungen Einfluss zu nehmen. Die geldpolitische Entscheidungsfindung bleibt jedoch an Regeln, Mehrheiten und Marktreaktionen gebunden. Politischer Druck ersetzt keine institutionelle Legitimation.

Goldpreis unter Druck – warum einfache Erklärungen nicht tragen

Parallel zur Personaldebatte rutschte der Goldpreis deutlich ab. Schnell war eine Erklärung zur Hand: Warsh gelte als geldpolitischer „Falke“, höhere Zinsen seien schlecht für Gold. Diese Deutung hält einer genaueren Betrachtung jedoch kaum stand. Sie widerspricht zum einen der Erwartung, dass Warsh Trumps Drängen auf niedrigere Zinsen zumindest mitträgt. Zum anderen begann die Korrektur bereits einen Tag vor Trumps Personalentscheidung – ein klassisches Muster nach zuvor stark überhitzten Kursen. Zudem zeigt die Erfahrung: Selbst in Phasen steigender Zinsen hat Gold wiederholt deutlich zugelegt.

Warum die Märkte Trump nicht fürchten

Für Investoren zählt am Ende nicht die Lautstärke der Debatte, sondern das Ergebnis. Trump mag eskalieren, doch nachhaltige Verwerfungen an den Finanzmärkten würden seinen eigenen politischen Zielen widersprechen. Die Erfahrung mit Trump zeigt: Sobald Märkte ernsthaft reagieren, folgt meist der Rückzug. Genau dieses Kalkül wirkt für viele Anleger stabilisierend.

Eine ausführliche Analyse zum Machtkampf um die Fed und zu den Folgen für Aktienmärkte, Gold und Dollar hört ihr in der neuen Folge von „Brichta & Bell“.

https://ais.audiorella.com/podcasts/1720-brichta-bell-der-ntv-wirtschafts-podcast/232972-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_694011a40d795&awEpisodeId=232972

 

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Kommentare

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  • Andreas B sagt:

    Bin trotzdem gespannt, ob dein 100% Signal wirklich dieses Jahr greift. Also ein Einbruch bei Silber an einem Tag um 30% sowie um 10% bei Gold kann man nicht als normal bezeichnen.

    Natürlich waren die Edelmetallmärkte sehr heiß gelaufen, keine Frage, aber diese Einbrüche an einem Tag sind historisch.

    Bin gespannt wie der Februar in der ersten Woche startet.

  • Andreas B sagt:

    Danke aber für deine schnelle Analyse und Einschätzung. 🙂