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Das neue Weltszenario: Rivalität

4. April 2022
Aries Eeberg
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von Aries Eeberg

Durch den Angriffskrieg auf die Ukraine sind die laufenden Entwicklungen verschärft und beschleunigt worden.
Unter den Bedingungen der Globalisierung entwickeln sich zwei Einflusssphären geführt von USA und China.
Zwischen den Einflusssphären herrscht Rivalität. Sie müssen aber auch kooperieren, um zu bekommen, was sie brauchen.
Jede Einflusssphäre hat Stärken und Schwächen. Wie sie ihre Schwächen ausgleichen, ist noch nicht ausgemacht.
Bestenfalls finden wir zu einer multipolaren Welt, die sich gegenseitig anerkennt, miteinander Handel treibt und sich zusammen weiter entwickelt.

Die Einflusssphären gliedern sich in Regionen:
– USA, Europa, Quad (Japan, Australien, Indien), Lateinamerika
– China, Russland, Zentralasien, Afrika

Die Regionen unterstützen sich gegenseitig innerhalb der Einflusspären, streben aber auch jeweils nach Autarkie und Resilienz.
Alle Regionen haben Beziehungen zu allen anderen – auch über die jeweiligen Einflusssphären hinaus. Das können sie als Vorteil betrachten – aber auch als Problem.

Das neue wirtschaftlichen Paradigma: Regionalisierung

Die Regionalisierung der Weltwirtschaft ist das große neue Paradigma.
Die Lieferketten werden diversifiziert und möglichst regional zurück gebaut.
In der Energie- und Rohstoffversorgung wird auf Nähe und Verlässlichkeit geachtet.
Das Internet wird durch differierende Standards und Kontrollsysteme segmentiert.
Jede Einflusssphäre entwickelt eigene Finanzsysteme.
Verteidigungsfähigkeit und Resilienz bestimmen wirtschaftliche Entscheidungen.
Strategisch wichtige Industrien werden regional gefördert.

Staatliche Investitionen treiben den Strukturwandel an.
Staatliche Technologie-Förderung und Rahmensetzung bestimmen die Entwicklung.
Großunternehmen können besser die staatlichen Programme umsetzen. Sie sind die Profiteure des Strukturwandels.

Zur Finanzierung betreiben die Notenbanken Geldschöpfung bis zum Vertrauensverlust.
Die Folge ist Inflation, besonders bei Energie und Rohstoffen.
Wahrscheinlich gibt es moderat steigende Notenbank-Zinsen bei negativen Realzinsen.
Sowohl die Regionalisierung als auch die Inflation bremsen das Wachstum ein, weil die Effizienzvorteile der Globalisierung geringer werden.
Substanzstarke Unternehmen setzen sich wegen des herausfordernden wirtschaftlichen Umfeldes durch.
Sachwerte wie Aktien und Immobilien steigen mit der Teuerung.
Gold profitiert als Wertspeicher.
Cryptowährungen bilden vielleicht eine Alternative zu Geld oder Gold. Ein dezentrales Finanzsystem bietet vielleicht einen Ausweg aus der gegenseitigen Abschottung.

Rohstoffe und Energie werden zum Umbau der Systeme gebraucht und gewinnen strategische Bedeutung.
Es entstehen überall Energie- und Rohstoffprojekte zur Erzielung von Rohstoffsouveränität.
Dezentrale regenerative Energien erhalten strategische Bedeutung, weil sie die Resilienz stärken.
Insbesondere die grüne Wasserstoffwirtschaft wächst rasant als Alternative zur Erdgasnutzung.
Vielleicht gibt es eine Renaissance der Atomenergie

Alle Regionen rüsten auf zum Schutz vor Angriffskriegen und zur Durchsetzung eigener Rohstoffinteressen.
Der militärisch-industrielle Komplex floriert.
Cybersicherheit wird ein bedeutender Wirtschaftszweig.
Die Rüstung wird wieder zum Technologietreiber.

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Kommentare

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  • Peter Czeck sagt:

    Interessant…was bedeutet das z.B . f. ein „deutsches“ Unternehmen wie Wacker Chemie? Standorte: USA 6, China 3, Südkorea 2, Japan, Singapur, Indien, Brasilien je 1, Europa ohne BRD 2 ….konkret?

    • Robert Z. sagt:

      Peter, wie Du wohl weißt: Wenn die Dominanz der Geopolitik weiterhin zunimmt wird „automatisch“ das Risiko für Investitionen in anderen Staaten zunehmen. Alan Greenspan hat sich in seinem Buch von 2007 „The Age of Turbulence:……“ mit der Relevanz von Eigentumsfragen am Beispiel von British Petroleum in Sibirien auseinandergesetzt. Selbstverständlich sagt nur ganz ausnahmsweise jemand: „Wir enteignen Dich“. Vielmehr werden Gesetze modifiziert, Genehmigungen an Bedingungen geknüpft, Steuern erhöht und, und …. BP hat dieses Kapitel jetzt wohl endgültig beendet. Diesen Punkt werden wir künftig als Anleger eben verstärkt beachten müssen.

      • Peter Czeck sagt:

        „Gesetze modifiziert“… sehr richtig Robert. Gab’s schon immer. Erinnere mich an Steuererhöhungen, die gezielt ausländische Töchter deutscher Unternehmen erwischten…z.B. seinerzeit Magyar Telekom in Ungarn. Gab auch in Nordeuropa ähnliche Fälle.

  • Michael sagt:

    1) Indien spielt aktuell auf beiden Hochzeiten, sowohl mit dem westlichen Block, als auch mit Russland und China
    (Btw: ich habe kürzlich Infosys und Reliance Industries gekauft – danke für Deinen Input, Aries)

    2) die Inflation und die Rohstoffkriege gingen bereits vor dem Russland-Ukraine-Krieg los

    3) auch die Rüstungsausgaben waren schon sehr hoch, siehe USA – jetzt wird noch eine Schippe in Europa drauf gelegt

    4) Max Otte hat viele Sachverhalte in seinen letzten Büchern prognostiziert und begründet.

    5) sich von China abkoppeln ist für Europa nicht möglich, ohne in die Steinzeit zurückzufallen. Ergo muss es ein Miteinander mit China geben.

  • Kurt_Lachs sagt:

    Interessanter Beirag.

    Ich würde deine Länderverteilung allerdings nicht vollends zustimmen. Indien würde ich nicht in die westliche Wertegemeinschaft aufnehmen. Allerdings auch nicht in die östliche(China,Russland). Andersherum würde ich nicht alle afrikanischen Länder in die „östliche Wertegemeinschaft“ stecken. Lateinamerika ist auch eher grau.

    Ich denke es wird sich noch eine dritte Partei bilden „Die Neutralen“, wie Indien.

    Ich stimme dir zu, nationale Interessen bezüglich Rohstoffsicherheit etc. werden für jedes Land eine wesentliche Rolle bei der Ausrichtung der Außenpolitk spielen. Man kann davon ausgehen, auch nicht immer friedlich.

    Ich gehe von ähnlichen Effekten aus, wie sie zur Öl-Kriese eingetreten sind. Auf jedenfall eine spannende Zeit

    • Michael sagt:

      Ntv.de hatbeinem Gastbeitrag von Andreas Beck veröffentlicht:

      https://www.n-tv.de/ratgeber/Wem-schaden-die-Sanktionen-wirklich-article23248534.html

      Auf Mission Money gibt es ein entsprechendes Interview mit Herrn Beck.

      Die Rohstoffgrafik ist aussagekräftig.

      Glückwunsch an China, die nun verbilligt ihren immensen Rohstoffhunger befriedigen werden, um durch intelligente chinesische Ingenieure und fleissige chinesische Arbeiter Weltklasseprodukte erzeugen und verkaufen können. Für den Export, als auch für den riesigen Binnenmarkt. Indien ist gut beraten, eine äquivalente Strategie zu fahren.

      Am Ende entscheiden Qualität und Preis über den Erfolg der Produkte.

      Ganz objektiv betrachtet: Russlands Rohstoffe werden in China zu Produkten verarbeitet, die wiederum in den USA und Europa konsumiert werden. Insofern steckt viel „Putin“ in den Produkten, die hierzulande über die Ladentheke gehen…konsequenter Weise müsste nun China voll sanktioniert werden.

      • Raimund Brichta sagt:

        • Die Frage ist trotzdem, ob man an der chinesischen Börse größer investiert sein sollte.

        • Das Zeugnis unten, der langfristige Shanghaier Index, stellt allenfalls die Gesamtnote 3 minus aus. Viele unserer WahrenWerte sind um Längen besser.

        • Dazu kommen die neuen politischen Risiken.

        Börse Shanghai

        • Peter Czeck sagt:

          China will offensichtlich keine Unternehmen, die durch Wachstum zu groß u. mächtig werden. Solche werden vorsorglich zurechtgestutzt, damit sie die Macht der Partei und ihres Vorsitzenden unter gar keinen Umständen auch nur geringfügig beeinträchtigen können. Daneben könnte die Handelbarkeit v. chinesischen Aktien durch Sanktionen USA weitergehend eingeschränkt werden. China wird seinen Weg gehen. Aber ob ausländische Aktionäre davon besonders profitieren werden, ist m.E. zweifelhaft. Halte nur China Mobile u. einen Fond einfach gewichtet.

  • Robert Z. sagt:

    • Aries, die beiden Einflusssphären sehe ich auch wie von Dir beschrieben. Die ERSTE ist grösstenteils durch „geopolitische“ Verträge/Protokolle etabliert. NATO + QUAD („ASIAN NATO“ ) wie China das letztere nennt ist ja zur „Eindämmung“ Chinas gegründet worden – Indien wird das deswegen kaum aufkündigen (opportunistisch billiges Gas für eine gemässigte UN-Stimme zu kaufen ist etwas anderes).
    • Auf 1 Blick ist an Deiner Aufstellung auch erkennbar was die immer wieder ausgerufene eigene Rolle Europas bedeuten würde. Die Beziehung China – Europa wird noch sehr, sehr interessant werden – wenn geopolitische Gesichtspunkte (wie es z. Zt. aussieht) wieder bedeutender werden sollten.
    • Nicht zu vergessen: Wir sind ja im WW-Blog. Wie siehst Du denn die Frage: Angenommen wir hätten eine nach allen bisherigen WW-Kriterien gute Aktie eines rein (zu 100%) Chinesischen Unternehmens gefunden. Kann das ein WW für uns sein, auf den wir uns bei einer weltweiten Finanzkrise verlassen können? Mein Vertrauen ist deutlich im „Unteren Bereich“. Raimund hat sich in seinem Kommentar zu Michaels Kommentar zwar nicht absolut dagegen aber doch ziemlich zurückhaltend ausgedrückt (wenn ich dies richtig verstanden habe). Will man auf mittlere Sicht HANDELN mag das anders sein.

    • Aries Eeberg sagt:

      Vor einem halben Jahr dachte ich noch, die Chance Europas läge in seiner Neutralität – ähnlich wie bei Skandinavien innerhalb Europas. Europa müsse natürlich aufrüsten und sich besser integrieren. Diese Sicht habe ich entwickelt, weil ich unter dem Eindruck eines Trump-Amerikas stand. Außerdem war ich von der Verschiebung einer Atlanitk-zentrierten Welt zu einer Pazifik-zentrierten Welt ausgegangen. Unter Trump hatte man ja den Eindruck: Wenn man solche Freunde wie Amerika hat, braucht man keine Feinde mehr. Das kann natürlich wieder so kommen. Deshalb muss Europa weiterhin militärisch, politisch und wirtschaftlich selbstständiger werden. Die Verschiebung der Gewichte zum Pazifik wird auf jeden Fall kommen.
      .
      Heute denke ich: Die geopolitische Lage bindet Europa stärker an die USA. Damit wird Europa aber in die Rivalität mit China hineingezogen. ….
      .
      Zum Thema China-Investments. Ich persönlich habe sie reduziert, aber nicht aufgegeben. Wie Michael sehe ich für China Chancen durch die jetzt bessere Rohstoffversorgung und den intelligenten Fleiß der Chinesen. Dagegen stehen natürlich alle Risiken, die eine Autokratie entwickeln kann. Ich rechne auch damit, dass China sich für die wirtschaftlichen Übergriffe der Engländer im 19. Jahrhundert und der Amerikaner im letzten revanchieren wird. Ein weiteres China-Risiko liegt in dessen Demografie. Auch die Bilanzen der chinesischen Firmen sind vielleicht nicht glaubwürdig. Und die USA werden weiter versuchen, China zu schwächen. Insgesamt überwiegen gegenwärtig aber noch die Chancen für ein erfolgreiches Investment.
      .
      Wir gehen auf eine multipolare Welt zu mit mindestens zwei Gravitationszentren. Eines davon ist China. Ob man da investieren will, hängt von einigen Vorentscheidungen ab. Für das WahreWerteDepot ist China meiner Ansicht nach nicht investierbar. ESG steht da grundsätzlich in Frage wegen des „S“ (social) und des „G“ (governance). Das „E“ (ecological) hat für China aus Eigeninteresse ein großes Gewicht.
      .
      Was die moralischen Fragen angeht, sollte man sich vor Doppelmoral hüten. Auch die Amerikaner haben z.B. in Vietnam Kriegsverbrechen begangen und im Irak bei einem Angriffskrieg gelogen. Dabei ging kein Aufschrei durch die ganze westliche Welt, zu der Amerika ja auch gehört. Diese Doppelmoral sehen die heute neutralen Staaten wie Indien wahrscheinlich sehr deutlich. Die Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren sind eindeutig zu verurteilen. Andererseits muss man auch fragen, wie manche Länder ohne autoritäre Herrscher aussehen würden. Unter Sadam Hussein und Gaddafi waren die Überlebenschancen für den normalen Menschen größer als heute in den jeweiligen Ländern. Die heute freie und demokratische Welt hat Jahrhunderte und viele Kriege gebraucht, um ihre jetzigen Strukturen zu entwickeln. Kann man von dem Rest der Welt erwarten, das in einigen Jahrzehnten und ohne Grausamkeiten zu tun?
      .
      Für die Beurteilung der Investierbarkeit eines Landes halte ich die Pressefreiheit dort für einen guten Indikator. Sie ist ein Anzeiger für demokratische Strukturen und Reformfähigkeit. Beides ist für den dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg eines Landes sehr wichtig.

      • Raimund Brichta sagt:

        Zum Thema China würde ich gerne noch mal auf meinen Punkt zurückkommen, dass dieses Land SCHON IN DER VERGANGENHEIT, also ohne die künftigen Risiken, nicht die beste Investment-Wahl war (zumindest lanfristig). Und das, obwohl es lange Zeit gehypt wurde.

        Oder wie sind Eure Erfahrungen? Hat jemand von Euch langfristig erfolgreich in China investiert? Das würde mich sehr interessieren.

        • Kurt_Lachs sagt:

          Dem stimme ich dir zu. Habe in der Vergangheit schön öfters das eine oder andere chinesische Unternehmen gesehen, das erst „Hui“ und dann „Pfui“ war. Nicht ohne Grund.

          • Raimund Brichta sagt:

            Danke für Deine Rückmeldung, lieber Kurt.

            Nun würde ich aber gerne auch Widerspruch zu meiner Einschätzung lesen: Wer von Euch hat langfristig erfolgreich in China investiert?